Viel Rauch um Nichts?

Viel Rauch um Nichts?

Rund um die SEC Veröffentlichungen von NIO für das geplante IPO in den USA hat man als erstaunter Leser festgestellt, dass es bei NIO durchaus Probleme gibt. Eine gründliche Durchsicht der Dokumente zeigte, dass Unternehmen ist sowohl bei der Nachfrage als auch bei der Produktion seines ersten Elektro SUVs ES8 doch einigen nicht unerheblichen Hindernisse ausgesetzt. Da NIO in der SEC Veröffentlichung zu wahrheitsgemäßen Angaben verpfichtet ist, kommen so nun einige Details an das Tageslicht die erstaunlich sind.

Laut den Daten hat NIO bisher nur rund 17.000 Bestellungen für den ES8 vorliegen, von denen alleine 12.000 weiterhin voll erstattungsfähig sind. Bei diesen Bestellungen hat NIO ähnlich wie Tesla beim Model 3 nur eine Anzahlung in Höhe von 5000 RMB (umgerechnet rund 650 Euro) erhalten. Damit können Kunden eine Reservierung in einen Kaufvertrag umwandeln oder erhalten die Anzahlung zurück, sofern die Kaufoption nicht gezogen werden sollte. Demnach sind von den bisher bei NIO vorliegenden Bestellungen für den ES8 nur knapp 5000 fest. 

Nun wird es abenteurlich. Sollte NIO alle Bestellungen in echte Kaufverträge umgewandelt bekommen, müssten die Käufer lange auf Ihre Fahrzeuge warten. In der SEC Veröffentlichung spricht NIO von 6 bis 9 Monaten. Allerdings konnte das Unternehmen bisher rund 500 Fahrzeuge pro Monat ausliefern, was eher auf deutlich längere Lieferzeiten schließen lässt. NIO produziert seine Fahrzeuge bei JAC im Rahmen eines Produktions Joint Ventures und konnte laut der nun bekannt gewordenen Daten die im Rahmen des Joint Ventures gebuchten Kapazitäten nicht auslasten. Laut Insiderkreisen wurden bereits Konventionalstrafen an JAC in einer Größenordnung von umgerechnet rund 12 Millionen Euro gezahlt. Es scheint also der Wurm in der Produktionsauslastung zu stecken. Bisher ist nicht bekannt, warum trotz vorhandener Kapazitäten bei JAC keine größere Menge an Fahrzeugen zur Auslieferung gebracht werden kann. Lange Lieferzeiten sind bei chinesischen Kunden ein absolutes No Go und könnten sich zukünftig als echtes Problem für NIO erweisen.

Zudem NIO verliert viel Geld. Das Unternehmen sagt selbst, dass es in den vergangenen drei Jahren 1,6 Milliarden Dollar verloren hat und man schätzt, dass NIO in den nächsten drei Jahren Verluste in Höhe von weiteren 1,8 Milliarden Dollar verzeichnen wird. Das Unternehmen hat laut den SEC Veröffentlichungen gerade nur 668,5 Millionen Dollar in Cash. Als Investor wäre ich besorgt. Vielleicht hätte NIO ein bisschen länger warten sollen, bevor man den Schritt auf die internationale Bühne wagt. Vielleicht zuerst ein paar Autos mehr verkaufen und mit einer eigenen Fabrik für eine gesicherte Produktion sorgen. Aber mit den auflaufenden Verlusten scheint NIO das Geld aus dem USA IPO "JETZT" zu brauchen.